FAQ (Häufige Fragen und Antworten)



Antwort

·  Die beste Auslegung zur Bibel ist die Bibel selbst.
Anders ausgedrückt: Es gibt keinen besseren Kommentar zur Bibel als die Bibel selbst. Dieser wichtigste Auslegungsgrundsatz wird von Jesus (z. B. Mt 19,3-6), den Aposteln (z. B. Gal 3,16) und Propheten in der Bibel ständig praktiziert.




·  Jesus ist der Schlüssel aller Auslegung.
So bleibt insbesondere das AT ohne die Deutung auf Christus unverständlich (z. B. Ps 110,1; Jes 53; Mal 3,20+23-24).




·  Die Auslegungen dürfen nicht im Widerspruch zu anderen Textstellen stehen.


·  Eine Lehre sollte nicht aus nur einem einzelnen Satz oder Vers abgeleitet werden.
Zentrale Aussagen werden in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt oder mit anderen Worten formuliert.
Beispiele:
• Die Sündlosigkeit Jesu (1Joh 3,5; 1Petr 2,22; 2Kor 5,21)
• Die Sündhaftigkeit aller Menschen (1Mo 8,21; Ps 14,3; Jes 1,5-6; Mt 15,19; Röm 3,23)
• Der Erlösungswille Gottes (Hes 34,12; Mt 18,11; 1Thess 5,9; 1Tim 2,4)
Beachte: Dass Jesus den Vater liebt (Joh 14,31) und der Vater uns liebt (Joh 16,27), steht zwar jeweils nur ein einziges Mal explizit in der Bibel. In einer Fülle anderer Aussagen sind diese Tatbestände jedoch implizit enthalten oder werden vorausgesetzt. In solchen Fällen ist es sehr wohl erlaubt, dies lehrmäßig auszuformulieren.




·  Es ist immer der Textzusammenhang und darüber hinaus der Gesamtkonsens der Bibel zu beachten.
Die Nichtbeachtung dieses Satzes hat zu zahlreichen unbiblischen Sonderlehren und verderblichen Sekten geführt. Querverweise sind von besonders hohem Stellenwert.




·  Manche biblischen Lehren sind aus der Gesamtheit gleichartiger Einzelereignisse erschließbar.
Die Bibel ist kein trockenes Gesetz- oder Lehrbuch, sondern in Tausenden von Begebenheiten wird uns beispielhaft sowohl der rechte als auch der verkehrte Umgang mit Gott und Menschen geschildert. Ergründet man das allen Gemeinsame aus thematisch zugehörigen Einzelschilderungen, so kann und soll daraus eine biblische Lehre abgeleitet werden. Ein treffendes Beispiel hierfür ist die detaillierte Darstellung der langen Geschichte Israels in Segen und Gericht (1Kor 10,11). Bei der Beantwortung der Frage FL6 wird von diesem Auslegungsgrundsatz Gebrauch gemacht.




·  Das AT ist der unverzichtbare Zubringer zum NT,
d. h. ohne das AT bleiben viele Teile des NT unverständlich (z. B. Schöpfung, Sündenfall, Sintflut).




·  Das NT ist von größerer Offenbarungsweite als das AT.
Schon die Betrachtung des Hebraerbriefes belegt diese Aussage. Am Beispiel der »Rache« wollen wir dies kurz erörtern: Die menschliche Natur mochte sich im Schadensfall um ein Mehrfaches an dem Anderen rachen: »Kain soll siebenmal geracht werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal« (1Mo 4,24). In den Gesetzen vom Sinai fuhrt Gott eine drastische Schadensbegrenzung auf eine Eins-zu-Eins-Regelung ein: ein Auge > ein Auge; ein Zahn > ein Zahn; eine Wunde > eine Wunde; eine Beule > eine Beule (2Mo 21,24-25). In der Bergpredigt vertieft Jesus das alttestamentliche Gesetz, was durch den sechsmaligen Ausdruck »Ich aber sage euch« jeweils eingeleitet wird. In Anwendung von 5. Mose 32,35 auf 2. Mose 21,24-25 verbietet er jegliche Rache: »Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete die andere auch dar« (Mt 5,39).




·  Nirgends in der Bibel wird eine Sünde gutgeheißen,
auch wenn sie an der speziellen Stelle nicht gebrandmarkt wird. Für die Auslegung des »ungerechten Haushalters« nach Lukas 16,1-8 ist dieser Auslegungssatz bedeutungsvoll (siehe "Nur die Klugen kommen ins Himmelreich").




·  Es soll nicht mehr ausgesagt werden als geschrieben steht:
»Nicht über das hinaus, was geschrieben steht« (1Kor 4,6).



·  Die biblische Wahrheit hat immer Vorrang vor jeder anderen Erkenntnis,
sofern die Bibel zu der betreffenden Frage eine Aussage trifft: »Sehet zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf der Menschen Lehre und auf die Elemente der Welt und nicht auf Christus« (Kol 2,8).




·  Es kommt darauf an, alle textlichen Feinheiten (grammatische und semantische Details) auszuschöpfen.
In Galater 3,16 demonstriert Paulus anhand von 1. Mose 22,18 einen solch genauen Umgang mit der Schrift.




·  Es gibt genaue (z. B. Elberfelder, Menge, Schlachter) und weniger genaue Bibelübersetzungen (z. B. Gute Nachricht, Bruns).
In Zweifelsfällen ist der Grundtext (Hebräisch für das AT und Griechisch für das NT) heranzuziehen. Die Grundbedeutung eines speziellen Wortes erschließt sich oft aus anderen Textzusammenhängen, in denen es in leichter verständlicher Weise vorkommt. Die verschiedenen, im deutschen Sprachraum erhältlichen Übersetzungen gehen von unterschiedlichen Zielsetzungen aus. Die Lutherübersetzung ist durch ihre kernige und treffliche Sprache ausgezeichnet. Besondere Vorsicht ist geboten bei Übertragungen, bei denen der Übersetzer seinen eigenen Kommentar eingebettet hat (z. B. Zink). Völlig abzulehnen sind solche »Bibeln«, die in bewusster Abweichung vom biblischen Grundtext auf die Lehre einer Sekte abgestimmt sind (z. B. Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas).




·  Manche sich scheinbar widersprechenden Aussagen der Bibel ergänzen sich durch ihre Komplementarität.



[top]